Heute ist der 19.10.2026, und in der Welt der Tabakindustrie in Deutschland wird es ruhig. Ein großer Name verabschiedet sich: Villiger, der traditionsreiche Zigarrenhersteller aus Waldshut-Tiengen in Baden-Württemberg, hat angekündigt, die Produktion nach 115 Jahren einzustellen. Die Fertigung wird schrittweise bis Ende 2027 ins Schweizer Stammwerk nach Pfeffikon und nach Jember, Indonesien, verlagert. Ein trauriges Kapitel für die Region, denn rund 40 von insgesamt 190 Arbeitsplätzen fallen weg. Der CEO Christoph Schüpbach hat betont, dass der Personalabbau sozialverträglich gestaltet werden soll, aber betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen. Das ist ein harter Schlag für die Belegschaft, die über die Jahre viel Erfahrung und Know-how aufgebaut hat.

Die Gründe für diese Entscheidung sind vielfältig. Überkapazitäten, sinkende Absatzzahlen im klassischen Tabakmarkt und die steigenden bürokratischen und regulatorischen Anforderungen setzen der Branche zu. Villiger hat zwar noch einen Fuß in der Tür – das Werk in Tiengen bleibt als Drehkreuz für Logistik, Konfektionierung, Vertrieb und Sendungsverfolgung für den europäischen Markt bestehen. Doch die Zeichen stehen auf Wandel. Villiger erwirtschaftet rund 80 Prozent seines Jahresumsatzes von über 130 Millionen Schweizer Franken in Deutschland und der EU. Ein Rückzug, der die gesamte Branche spiegelt.

Der Rückgang der Zigarettenproduktion in Deutschland

Die Situation ist nicht einzigartig für Villiger. Ein Blick auf die gesamte Tabakindustrie zeigt, dass die Zigarettenproduktion in Deutschland zunehmend in die Knie geht. Philip Morris hat bereits Werke in Berlin und Dresden geschlossen, während Reemtsma plant, den Standort Langenhagen bis 2027 dicht zu machen. Sinken die Verkaufszahlen, stehen die Unternehmen vor einem Dilemma. Das klassische Zigarettengeschäft wird immer weniger nachgefragt – ein Trend, der sich durch ganz Europa zieht.

Hohe Energiekosten, steigende Zinsen und ein unübersehbarer Berg an Bürokratie belasten die Unternehmen in Baden-Württemberg und Bayern enorm. Tatsächlich verzeichnet Deutschland einen Höchststand an Firmenpleiten, das Insolvenzaufkommen liegt auf dem höchsten Stand seit über 20 Jahren. Ein besorgniserregendes Signal, dass viele Unternehmen in der Branche zum Umdenken zwingt. Die Transformation hin zu rauchfreien Produkten ist mittlerweile ein Muss für die großen Tabakkonzerne. British American Tobacco hat die Zigarettenproduktion in Bayreuth bereits 2016 eingestellt und setzt nun auf Tabakerhitzer und E-Zigaretten.

Die Zukunft der Tabakindustrie

Ein Hoffnungsschimmer kommt von Japan Tobacco International (JTI), das über 30 Millionen Euro in die Fertigung in Trier investiert. JTI sieht sich sogar als größter Arbeitgeber in der deutschen Tabakbranche und bleibt optimistisch inmitten all dieser Umwälzungen. Die Branche steht vor entscheidenden regulatorischen Entscheidungen, die 2026 anstehen, darunter ein Urteil des Bundesgerichtshofs zu E-Zigaretten. Reemtsma fordert zudem eine konsequentere Durchsetzung bestehender Jugendschutzregeln und diskutiert über ein mögliches Verbot von Menthol und Kühlstoffen in E-Zigaretten-Liquids.

Die Herausforderungen sind groß, und die Industrie warnt vor den Folgen einer möglichen Erhöhung der Tabaksteuer um 2 Euro pro Zigarettenpackung im Jahr 2026. Hohe Steuern könnten die Konsumenten in den illegalen Markt treiben – eine Entwicklung, die niemand will. Die Unternehmen transformieren sich und verlagern ihre Investitionen in neue Produktkategorien, um den veränderten Marktbedingungen gerecht zu werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit, der für viele eine existenzielle Frage darstellt.

So steuert die deutsche Tabakbranche in ungewisse Gewässer. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Unternehmen den Wandel meistern können – und ob die Traditionen der Vergangenheit in einer neuen Form weiterbestehen werden. Ein ständiger Balanceakt zwischen Tradition und Innovation.