Disapo: Vom Hoffnungsträger zur Insolvenzanmeldung – Ein Blick auf die Herausforderungen der Online-Apothekenbranche
Die Nachricht kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Die Online-Apotheke Disapo ist insolvent. Das Insolvenzverfahren wurde Mitte September 2026 für die disapo.de Apotheke B.V. eingeleitet. Was einst als vielversprechendes Unternehmen begann, hat sich nun in eine tragische Geschichte verwandelt. Disapo bot ein breites Sortiment an Arzneimitteln, Kosmetikprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln an, doch die Freude über die Vielfalt der Angebote ist nun getrübt. Obwohl der Online-Shop weiterhin erreichbar ist, können Kunden aus Deutschland nicht mehr bestellen. Ein schmerzlicher Verlust für viele, die auf die Dienstleistungen angewiesen waren.
Zuletzt waren etwa 35 Mitarbeiter bei der disapo.de Apotheke B.V. beschäftigt. Diese Zahl ist im Vergleich zu den rund 200 Beschäftigten im Jahr 2021 stark gesunken. Die Insolvenz folgte kurz nach der Übernahme von Disapo durch MYA Health, einem Schritt, der nicht die erhofften Früchte trug. Gespräche über potenzielle Käufer in Deutschland oder China scheiterten, während sich die Verbindlichkeiten auf etwa 2,2 Millionen Euro anhäuften. Der Fokus möglicher Investoren liegt nun auf dem Logistikzentrum in Heerlen, das mit seinen 7.500 Quadratmetern ein potenzielles Interesse wecken könnte.
Eine wechselvolle Geschichte
Die Geschichte von Disapo beginnt 2004, als Apotheker Franz Michael Peikert die ersten Pakete aus dem Hinterzimmer der Bieber-Apotheke in Offenbach verschickte. Ein kleiner Anfang, der 2007 in eine Lagerhalle in Offenbach und später nach Heerlen in die Niederlande führte. Douglas übernahm das Unternehmen 2022, um im Online-Apothekenmarkt Fuß zu fassen, doch der Strategiewechsel führte dazu, dass das Apothekengeschäft an Bedeutung verlor. Ein bitterer Rückschlag, der schließlich in einem Verlust von 5,9 Millionen Euro für Douglas mündete. Im August 2024 wurde Disapo dann an MYA Health B.V. verkauft, und die Belegschaft war auf etwa 90 Personen geschrumpft.
Die Situation für Apotheken in Deutschland ist nicht rosig. Ende 2025 gab es nur noch 16.601 Apotheken, der niedrigste Stand seit fast 50 Jahren. Im Jahr 2025 meldeten 44 Apotheken Insolvenz an, der höchste Stand seit 2008. Die Kosten in Apotheken stiegen seit 2013 um 65%, während das Fixhonorar für rezeptpflichtige Arzneimittel eingefroren war. Ein Teufelskreis, aus dem viele nicht mehr herauskommen. Die Versandapotheke Sanicare meldete ebenfalls Insolvenz an, was zeigt, dass die Herausforderungen in dieser Branche nicht nur Disapo betreffen.
Spannend ist, dass das E-Rezept den Umsatz im Versandhandel fördert, während die stationären Apotheken darunter leiden. Ein schmaler Grat zwischen Digitalisierung und Tradition, der in der Branche für viel Gesprächsstoff sorgt. Mit der Apothekenreform, die im Mai 2026 beschlossen wurde und das Leistungsspektrum erweitern soll, gibt es vielleicht einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Doch bis dahin bleibt die Unsicherheit groß, und die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Branche steht unter Druck, und Disapo ist nur die Spitze des Eisbergs.
