Heute ist der 30.09.2026 und ein ganz besonderer Tag für die Region rund um Oberkleen. Denn genau heute jährt sich der letzte Personenzug von Oberkleen nach Butzbach zum 60. Mal! Ein Ereignis, das viele nostalgische Erinnerungen weckt und die Frage aufwirft, wie es um den Schienenverkehr in der Gegend bestellt ist. Die Butzbach-Licher Eisenbahn hat 1968 den Güterverkehr eingestellt und die Gleise bis Pohl-Göns demontiert, aber ein Teil der alten Strecke ist noch immer vorhanden. An der Main-Weser-Bahn wechselt ein kleiner Gleisabschnitt in Butzbach, der momentan für die Fahrt zum Instandhaltungswerk der Hessischen Landesbahn (HLB) genutzt wird.

Die HLB hat nicht nur die Schienen, sondern auch die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Güterverkehrs zwischen Butzbach und Langgöns am Leben gehalten. Gespräche mit Unternehmen im Logistik- und Gewerbegebiet laufen bereits, auch wenn es noch keine konkreten Pläne gibt. Besonders interessant ist ein möglicher Holztransport von Münzenberg, der vielleicht bald wieder Realität werden könnte. Über Jahre hinweg wurde Holz aus dem Landkreis Gießen und dem Vogelsberg nach Münzenberg verladen, und die Eisenbahnfreunde Wetterau brachten mit eigenen Loks Holzzüge zum Bahnhof Butzbach-Ost. Doch die Strecke zwischen Münzenberg und Butzbach-Ost ist momentan nicht befahrbar.

Sanierung und Hoffnungen

Seit 2022 sind die Eisenbahnfreunde Wetterau aktiv und sanieren den Gleisabschnitt, der sich in ihrem Besitz befindet. Der Vorsitzende, Stefan John, ist optimistisch und hofft, die Sanierung noch in diesem Jahr abzuschließen. Sollte das Regierungspräsidium Darmstadt nach der Sanierung die Strecke prüfen und freigeben, könnte im kommenden Jahr wieder reger Zugverkehr stattfinden – inklusive der Holztransporte, die viele in der Region so sehr vermissen.

Die Eisenbahnfreunde Wetterau e.V. haben seit 2006 die Strecke der ehemaligen Butzbach-Licher Eisenbahn übernommen und sind als öffentliches Eisenbahnverkehrsunternehmen zugelassen. Die betriebenen Strecken umfassen unter anderem die Verbindungen von Butzbach nach Griedel und Münzenberg. Dies zeigt, dass die Leidenschaft für die Eisenbahn in der Region weiterhin lebendig ist. Die Genehmigungen für die Eisenbahnverkehrsleistungen wurden erst kürzlich im März 2026 erteilt, was darauf hindeutet, dass die Zukunft für den Schienenverkehr hier durchaus rosig aussieht.

Ein Blick in die Geschichte

Um die Bedeutung der Eisenbahn in Deutschland zu verstehen, muss man einen Blick in die Geschichte werfen. Der deutsche Hunt mit Leitnagel, der bereits 1556 von Georgius Agricola dokumentiert wurde, gilt als Vorläufer der modernen Schienenfahrzeuge. Im Ruhrgebiet entstand ab 1787 ein Netz von Pferdebahnen für den Kohletransport, was den Grundstein für die spätere Entwicklung der Eisenbahn legte. Die ersten Dampflokomotiven, die in England entwickelt wurden, gaben der Eisenbahn in Deutschland einen gewaltigen Schub. 1839 absolviert die erste in Deutschland gebaute Lokomotive, die Saxonia, ihre Jungfernfahrt auf der Strecke Leipzig–Dresden.

Die Eisenbahn hat nicht nur die Mobilität revolutioniert, sondern auch die Wirtschaft in Deutschland entscheidend geprägt. Die Eröffnung der ersten Fernbahn zwischen Dresden und Leipzig im Jahr 1839 war ein Meilenstein, der ohne staatliche Subventionen realisiert wurde. Über die Jahrzehnte wurde das Schienennetz immer weiter ausgebaut, und die Eisenbahn spielte eine wichtige Rolle in vielen historischen Ereignissen, wie dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.

In der heutigen Zeit, in der wir uns zunehmend mit Umweltfragen auseinandersetzen, wird die Bedeutung der Schiene im Güterverkehr immer klarer. Eine Rückkehr zum Güterverkehr auf den alten Strecken könnte nicht nur eine wirtschaftliche Chance darstellen, sondern auch einen umweltfreundlicheren Transportweg bieten. Die Bahn hat in der Vergangenheit viel bewegt, und vielleicht wird sie auch in Zukunft eine zentrale Rolle in der Logistik der Region spielen.