Logistik im Stau: Die Golden Week als Prüfstein für die globale Frachtschifffahrt
Die Logistik-Welt schaut mit einer Mischung aus Besorgnis und Neugier auf die bevorstehende Golden Week in China. Vom 1. bis 7. Oktober wird das Frachtaufkommen traditionell geringer, doch die aktuellen Umstände deuten darauf hin, dass es diesmal alles andere als entspannt zugeht. Über 4 Millionen TEU (Twenty-foot Equivalent Units) an Containerschiffskapazität stecken aufgrund erheblicher Hafenstaus fest. Das sorgt nicht nur für einen Stau in den Häfen, sondern hat auch Auswirkungen auf die gesamte Frachtschifffahrt.
In Shanghai und Ningbo warten Schiffe derzeit bis zu zwölf Tage auf ihren Hafenanlauf. Das ist nicht nur frustrierend für die Reeder, sondern auch für die Unternehmen, die auf pünktliche Lieferung angewiesen sind. Laut Linerlytica, einer renommierten Prognoseschmiede, bleiben die Schiffe auch während der Golden Week gut ausgelastet. Das bedeutet, dass die Probleme, die durch ausgefallene Abfahrten entstehen, sich bis in den Oktober ziehen könnten. In dieser Zeit war die durchschnittliche Wartezeit in Shanghai am 8. September bereits auf 4,72 Tage gestiegen, während sie in Ningbo bei 3,58 Tagen lag. An einzelnen Terminals in Shanghai überschritt die Wartezeit sogar die neun Tage – da wird einem ganz schwindelig!
Wetterkapriolen und hohe Auslastung
Wetterbedingte Betriebsunterbrechungen haben die Situation weiter verschärft. So war Ningbo 78 Stunden und Shanghai zwischen 54 und 48 Stunden betroffen. Das hat zur Folge, dass die Lagerflächen in Ningbo über 90% ausgelastet sind. Was für eine verrückte Zeit für die Logistikbranche! Die Verspätungen bei Containerschiffen führen zu reduzierter Kapazität im gesamten Netzwerk, und die Fahrplantreue in Asien ist im Juli auf erschreckende 56,4% gefallen. In Shanghai kamen nur 21% der Containerschiffe pünktlich an, in Ningbo waren es immerhin 34,6% – ein Bild des Grauens!
Die Reedereien MSC und Maersk haben bereits Kapazitätskürzungen rund um die Golden Week angekündigt. Insgesamt werden für die Kalenderwochen 37 bis 41 47 gestrichene Abfahrten erwartet, was 6% des ursprünglichen Programms entspricht. Diese Störungen könnten sich über die Feiertage hinausziehen, denn verspätete Schiffe bringen ihre Rückstände mit. Die unglückliche Kombination aus dem Mittherbstfest im September und dem bevorstehenden Nationalfeiertag in China lässt kaum Zeit für eine Erholung.
Globale Auswirkungen und Perspektiven
Die Überlastung der Containerhäfen erreicht mittlerweile einen Höchststand von über 4,3 Millionen TEU, die weltweit nicht im Umlauf sind – das entspricht 12,6% einer größeren Flotte von 34,4 Millionen TEU. Damit stehen wir im Vergleich zu den Pandemie-Höchstständen von 2021/2022, als fast 4 Millionen TEU blockiert waren, nicht viel besser da. Die Pünktlichkeit bei Lieferungen liegt weltweit nur bei 60-65%, und die durchschnittliche Verspätung beträgt 5 bis 5,5 Tage. Das ist, gelinde gesagt, alarmierend!
Die Hauptursache für die Überlastung sind operative Instabilitäten in Ostasiens bedeutendsten Häfen, die durch häufige Taifune verschärft werden. Der Hafenbetrieb in China, dem globalen Zentrum der Containerproduktion, leidet enorm. Die Wartezeiten in Shanghai und Ningbo belaufen sich auf bis zu 7-8 Tage. Und währenddessen werden die Frachtraten durch die Hafenstau-Problematik gestützt, was die Auslastung der Schiffe hoch hält. Eine kleine, wenn auch unglückliche, wirtschaftliche Logik.
Geopolitische Spannungen im Roten Meer und Suezkanal verlängern die Schiffsreisen um 10-14 Tage. Die Europäer, die auf Importe angewiesen sind, sehen sich drastischen Kostensteigerungen für Transportkapazitäten gegenüber. In dieser chaotischen Zeit ist es für Unternehmen ratsam, ihre Logistikdienstleister zu überprüfen, die Einreisehäfen zu diversifizieren und die Sicherheitsniveaus in den Lagerräumen zu erhöhen. Die Schifffahrtskrise 2026 könnte sich als symptomatisches Ergebnis struktureller Spannungen im globalen Logistiksystem entpuppen.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Branche aus dem Dilemma herauskommt oder ob wir uns in einen noch tieferen Abgrund bewegen. Die Herausforderungen sind überall zu spüren, und die Antwort auf die Frage, wie es weitergeht, bleibt vorerst offen.
