Steinhagen im Aufruhr: Bürgerentscheid über Logistikzentrum spaltet die Gemeinde
Der 18. September 2016 wird wohl in den Geschichtsbüchern von Steinhagen vermerkt bleiben, nicht nur als ein Datum, sondern als ein Symbol für das Ringen um die Zukunft der Gemeinde. An diesem Tag fand der erste Bürgerentscheid statt, der die Einwohner tief spaltete. Im Fokus stand die Ansiedlung des Logistikunternehmens Wahl & Co. auf einer 15 Hektar großen Fläche zwischen der Autobahn und der Liebigstraße. Bei so einem Thema war klar, dass die Gemüter erhitzt waren und die Diskussionen in den Cafés und an den Küchentischen nicht enden wollten.
Die Kontroversen rund um das Logistikzentrum begannen bereits im März 2016, als bekannt wurde, dass Wahl & Co. Interesse an dem Grundstück zeigte. Die Befürworter waren überzeugt, dass das Unternehmen nicht nur neue Arbeitsplätze schaffen, sondern auch kräftige Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde mit sich bringen würde. Doch die Gegner der Ansiedlung hatten ihre eigenen Sorgen. Sie warnten eindringlich vor dem erhöhten Lkw-Verkehr und der schieren Höhe des geplanten Hochregallagers, das stolze 30 Meter in die Höhe wachsen sollte. Man könnte sagen, die Fronten waren schnell verhärtet.
Ein Bürgerbegehren und die Welle der Emotionen
Der Gemeinderat stimmte am 16. März 2016 mehrheitlich gegen das Vorhaben – die SPD und die Grünen waren dagegen, während die CDU und die FDP sich für die Ansiedlung stark machten. Das war natürlich wie ein rotes Tuch für die Befürworter, angeführt von Karl-Heinz David und Heike Riefenstahl. Sie organisierten ein Bürgerbegehren, das ein Mindestmaß an 8% der wahlberechtigten Bürger erforderte. Ein erster Versuch scheiterte aufgrund eines formalen Fehlers auf der Unterschriftenliste. Doch der Frust war nicht das Ende, und nach juristischer Beratung wurde eine neue Unterschriftensammlung gestartet, die schließlich erfolgreich war!
Am besagten Tag, dem 18. September 2016, waren es dann 16.572 wahlberechtigte Bürger, die ihre Stimme abgaben. Fast die Hälfte von ihnen – 8.050, um genau zu sein – nahmen an der Abstimmung teil. Das Ergebnis sprach Bände: 53,44% waren gegen die Ansiedlung, während 46,56% dafür stimmten. Ein klares Zeichen des Unmuts, was die Stimmung in der Bevölkerung betrifft. Heike Horn von den Grünen äußerte sichtlich erleichtert, dass die Bürger für den Erhalt ihrer Gemeinde gestimmt hatten, während Silke Wehmeier von der FDP ihre Enttäuschung nicht verbergen konnte. Das Grundstück, das für viele Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung versprach, brachte seitdem jedoch keine Einnahmen für die Gemeinde – eine bittere Pille, die man schlucken musste.
Ein Blick über den Tellerrand – Projekt Achim-West
Schaut man ein bisschen über den Tellerrand, gibt es in der Nachbarschaft spannende Entwicklungen. Das Projekt Achim-West befindet sich derzeit im Planfeststellungsverfahren. Hier steht die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur im Fokus, um die Landesstraße 158 und die Autobahnen rund um das Bremer Kreuz zu entlasten. Das klingt nach einem Mammutprojekt, das die Stadt Achim zusammen mit dem Land Bremen angeht. Auch die Notwendigkeit neuer Verkehrskonzepte ist nicht von der Hand zu weisen – der Verkehr wächst und wächst.
Geplant sind unter anderem eine neue Autobahnanschlussstelle an der A27 vor dem Bremer Kreuz sowie die Verlängerung der Theodor-Barth-Straße mit einer Autobahnquerung der A1. Dazu kommt die Unterquerung der Bundesbahnlinie Hannover-Bremen, die eine Anbindung an die Landesstraße 158 schaffen soll. Ein neues Gewerbegebiet zwischen der BAB1 und BAB27 soll helfen, die Infrastruktur zu finanzieren. Man spricht von einer Prognose von bis zu 2,5 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung in 20 Jahren und 1.700 bis 3.600 neuen Arbeitsplätzen. Das ist durchaus ein Grund zur Freude, wenn man die Zahlen so betrachtet!
Die aktuelle Situation zeigt, dass bereits über 2.100 Arbeitsplätze in bestehenden Gewerbegebieten auf 60 Hektar Fläche geschaffen wurden. Und das mit einem Investitionsvolumen von rund 60 Millionen Euro für die Verkehrsinfrastruktur. Natürlich erfordert die Realisierung finanzielle Beteiligung von Landkreis Verden, Bremen und dem Bund. Man könnte sagen, hier wird versucht, die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen, während Steinhagen noch mit den Nachwirkungen seines Bürgerentscheids kämpft.
