Heute ist der 16.10.2026 und wir blicken auf den Güterverkehr, der sich in einer spannenden Phase der Transformation befindet. Die Liberalisierung des europäischen Bahnmarktes hat bereits einige Fortschritte mit sich gebracht, doch die technischen Hürden und knappen Kapazitäten sind nicht zu übersehen. Beim Herbstfest des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen Österreich (NEEÖ) in Seggau wurde eifrig diskutiert, wie man die Herausforderungen im Schienenverkehr meistern kann. Heinrich Juritsch, der Obmann des NEEÖ, sieht die Bahnliberalisierung als eine echte Erfolgsgeschichte, die seit 26 Jahren in Österreich ihren Lauf nimmt. Hier dürfen private Bahnunternehmen auf dem ÖBB-Schienennetz sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr agieren.

Das vergangene Jahr war jedoch nicht ohne Rückschläge. Im Güterverkehr haben europäische Bahngesellschaften 365 Milliarden Brutto-Tonnenkilometer zurückgelegt, was einen Rückgang von 10 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren darstellt. In Österreich hält die ÖBB einen Marktanteil von 38 Prozent, während private Unternehmen mit 62 Prozent dominieren, insbesondere bei den Ganzzugverkehren. Die fachlichen Vorträge beim Herbstfest beleuchteten aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Bahnbereich. Christian Kern, Geschäftsführer der Lok-Leasing-Group ELL, berichtete von den finanziellen Engpässen, die Staatsbahnen dazu zwingen, zunehmend Loks zu leasen. ELL hat mit 335 verfügbaren Loks einen beachtlichen Bestand und übertrifft damit den Branchendurchschnitt.

Trends im Schienengüterverkehr

Doch wie steht es um den Schienengüterverkehr in Deutschland? Hier ist der Anteil der Bahn am Modal Split auf 20 Prozent gesunken. Besonders auffällig ist, dass Einzelwagenverkehre nur 18 Prozent ausmachen, während die Ganzzugverkehre stolze 82 Prozent des Schienengüterverkehrs beanspruchen. Professor Kay Mitusch warnt vor einem weiteren Rückgang des Einzelwagenverkehrs, was nicht nur für die Bahnen, sondern auch für DB Cargo ernsthafte Konsequenzen haben könnte. Hohe Forschungs- und Entwicklungskosten sowie Systemkosten werden oft als Hauptgründe für die Innovationsscheu im Bahnbereich angeführt.

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis kommt von Karl Schauer von Lkw Walter, der von Herausforderungen beim Einstieg in den Kombinierten Verkehr zwischen Schiene und Straße berichtet. Immerhin verarbeitet Lkw Walter täglich bis zu 10.000 Ladungen, wobei zwei Drittel auf der Straße und ein Drittel auf der Schiene transportiert werden. Johann Pluy von ÖBB-Infra fordert mehr Ordnung im Schienennetz. Eine Neuschlichtung der vorhandenen Kapazitäten wäre dringend nötig. Pluy hofft auf eine Kapazitätsregulierung auf europäischer Ebene und betont die Notwendigkeit einheitlicher technischer Standards. Die ÖBB-Infra arbeitet zudem an der Einführung einer zentralen Dispositionsstelle für den Güterverkehr, um die Abläufe zu optimieren.

Daten und Statistiken

Die Verkehrsstatistiken, die von Eurostat veröffentlicht werden, umfassen eine Vielzahl an Daten über das Volumen des Güterverkehrs und die Zahl der beförderten Passagiere. Dabei werden nicht nur die verschiedenen Verkehrsträger wie Luftverkehr, Binnenschiffsverkehr, Seeverkehr, Transport in Ölpipelines, Eisenbahnverkehr und Straßenverkehr betrachtet, sondern auch die vorhandene Infrastruktur. Eurostat liefert uns wichtige Indikatoren zum Modal Split, der den Anteil der verschiedenen Verkehrsträger am Gesamtverkehr sichtbar macht, und ermöglicht die Überwachung der Verlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsträger.

Die Zusammenarbeit bei der Datenerhebung erfolgt in Kooperation mit EU-Agenturen, und die Statistiken zur Verkehrssicherheit werden durch freiwillige Datenerhebungen unterstützt. Diese Daten sind auf nationaler und teilweise regionaler Ebene veröffentlicht und bieten einen wertvollen Einblick in die Entwicklungen im Verkehrsbereich.

Kombinierter Verkehr im Fokus

Ein Thema, das in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, ist der Kombinierte Verkehr. Dieser beschreibt eine mehrgliedrige Transportkette, die unterschiedliche Verkehrsträger integriert und sich von dem direkten Verkehr durch den notwendigen Umschlag unterscheidet. Dabei kommen verschiedene Transportmittel wie Container, Wechselbehälter und Sattelauflieger zum Einsatz. Die Definition und die Entwicklungen im kombinierten Verkehr sind ebenfalls Teil des Berichts, der auf der Fachserie 8 Reihe 1.3 basiert.

Die letzte Veröffentlichung dieser Reihe datiert aus dem Jahr 2018, doch die Datenbank GENESIS-Online hält weitere Informationen bereit. Egal ob intermodal oder multimodal – der Fokus liegt darauf, die Effizienz und Nachhaltigkeit im Güterverkehr zu steigern. Wenn wir über die Zukunft des Güterverkehrs sprechen, ist es klar: Die Herausforderungen sind groß, aber die Chancen auch. Und man kann nur hoffen, dass die Akteure in der Branche den richtigen Kurs finden.