Insolvenz der Versandapotheke Disapo: Ein Weckruf für die Branche
Heute ist der 28.09.2026, und die Nachricht über die Insolvenz der Versandapotheke Disapo sorgt für Aufregung in der Branche. Disapo, mit Sitz in Heerlen, Niederlande, hat vor kurzem Insolvenz angemeldet. Zuvor versuchte das Unternehmen, Investoren zu finden, doch die Gespräche scheiterten. Letztlich belaufen sich die Verbindlichkeiten auf etwa 2,2 Millionen Euro. Ein düsteres Kapitel in der Geschichte dieser Apotheke, die 2004 von Apotheker Franz Michael Peikert gegründet wurde und einst mit einer beeindruckenden Belegschaft von bis zu 200 Mitarbeiter:innen glänzte.
Die Übernahme durch Douglas im Jahr 2022 sollte dem Unternehmen frischen Wind verleihen und den Einstieg in den Online-Apotheken-Markt ermöglichen. Mit einem Umsatz von rund 80 Millionen Euro im Jahr 2021 schien alles auf einem guten Weg. Doch nach einem Strategiewechsel bei Douglas geriet das Apothekengeschäft in den Hintergrund. Die Belegschaft wurde auf etwa 90 Mitarbeiter:innen reduziert und die Verluste häuften sich. Am Ende verzeichnete Douglas einen Verlust von 5,9 Millionen Euro, als Disapo im August 2024 an MYA Health B.V. verkauft wurde.
Ein Blick auf die Mitarbeiter und das Logistikzentrum
Zuletzt waren bei Disapo noch 35 Mitarbeiter beschäftigt, während die Tochtergesellschaft Disapo BA B.V. nur vier Personen zählte. Das Logistikzentrum in Heerlen, das auf einer Fläche von etwa 7.500 Quadratmetern steht, könnte nun im Fokus möglicher Investoren stehen. Insolvenzverwalter Thomas Caron wird die Zukunft des Standorts prüfen, während die Produkte im Online-Shop weiterhin angezeigt werden, aber nicht mehr verfügbar sind. Das ist eine bittere Pille für alle Beteiligten.
Die Situation ist nicht einzigartig. In Deutschland steht die Apothekenlandschaft unter Druck: Ende 2025 gab es nur noch 16.601 Apotheken – der niedrigste Stand seit fast 50 Jahren. Der Rückgang ist dramatisch, mit 502 Schließungen im Jahr 2025 und nur 62 Neueröffnungen. Immer mehr Apotheken kämpfen ums Überleben, und die Konkurrenz durch Versandapotheken wie Disapo verschärft die Lage zusätzlich. Die Umsatzrendite der Apotheken ist auf ein historisch niedriges Niveau gesunken. Ein Drittel der Apotheken erwirtschaftet kein tragfähiges Ergebnis mehr.
Die Herausforderungen der Branche
Die Apothekenkrise wird durch steigende Kosten, Personalmangel und die anhaltende Konkurrenz durch Online-Anbieter verstärkt. Komischerweise hat sich das Fixhonorar für rezeptpflichtige Arzneimittel seit 2013 nicht erhöht, was die Situation für viele Apotheken noch schwieriger macht. Die Branche erlebt einen Wandel, und viele fragen sich, wie lange sie dem Druck standhalten kann.
Wie es mit Disapo weitergeht, bleibt abzuwarten. Ein Lichtblick könnte sein, dass das Logistikzentrum vielleicht doch noch eine neue Perspektive bietet. Für die ehemaligen Mitarbeiter und die Branche insgesamt ist dies ein weiterer Weckruf, die Weichen neu zu stellen und sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen.
