Die Übernahme des Hamburger Transportunternehmens Konrad Zippel durch die chinesische Reederei Cosco steht auf der Kippe. Was zunächst wie ein ganz normaler Deal im Logistiksektor aussah, hat sich schnell zu einem Politikum entwickelt. Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ zeigt die Bundesregierung klare Bedenken und spricht sich gegen die Übernahme aus. Die Sicherheitsbedenken sind nicht zu unterschätzen, besonders wenn es um mögliche Abhängigkeiten geht, die als Druckmittel genutzt werden könnten. Da fragt man sich: Wo bleibt da die Souveränität?

Das Bundeswirtschaftsministerium nimmt sich der Angelegenheit an und untersucht die Übernahme im Rahmen eines Investitionsprüfverfahrens. Das Ministerium hat sich zwar nicht direkt zu den Kernaussagen des Berichts geäußert, aber die Wogen scheinen hoch zu gehen. Immerhin, die Konrad Zippel Spediteur GmbH hat betont, dass der Geschäftsbetrieb weiterhin unverändert fortgeführt wird. Das ist doch eine Erleichterung für die rund 350 Beschäftigten!

Politische Bedenken und Hinterlandverkehr

Die Rolle von Zippel im Hinterlandverkehr, insbesondere in Richtung Ostdeutschland, wird als ausschlaggebend für die Sicherheit eingestuft. Fünf Ministerien – darunter das Wirtschafts-, Außen-, Verteidigungs-, Innen- und Finanzministerium – haben sich bereits gegen den Deal ausgesprochen. Der Einfluss von Cosco auf die deutschen Hinterlandverkehre und die damit verbundenen Risiken sind der Bundesregierung ein Dorn im Auge. Zippel transportiert jährlich rund 175.000 Standardcontainer. An den Terminals in Berlin, Schkopau und Elsterwerda hat Zippel Umschlaganteile zwischen 35 und 90 Prozent. Ein bedeutender Player, der nun im Fokus steht.

Das Bundeskartellamt hatte ursprünglich grünes Licht für die Übernahme gegeben. Doch die Bedenken des Bundesamtes für Verfassungsschutz, die bereits Ende April 2026 laut wurden, scheinen die Situation zu kippen. Zippel ist zwar nicht als Betreiber „Kritischer Infrastruktur“ nach dem BSI-Gesetz registriert, doch die politischen Wogen schlagen hoch. Der Zippel-Chef Axel Plaß hat den Verkauf verteidigt und argumentiert, dass sein Unternehmen zu klein sei, um eine entscheidende Rolle zu spielen. Aber was bedeutet das für die Sicherheit der logistischen Abläufe?

Der Einfluss Chinas auf die deutsche Infrastruktur

Cosco ist kein unbeschriebenes Blatt. Der Konzern hält bereits seit 2023 24,99 Prozent an der Betreibergesellschaft des HHLA Container Terminals Tollerort in Hamburg. Der Einstieg von Cosco in die Hamburger Infrastruktur hat bereits zu einer hitzigen Debatte über den Einfluss Chinas auf kritische Infrastruktur in Deutschland geführt. Der Kontext ist nicht zu vernachlässigen: Chinas Investitionen in Deutschland sind in den letzten Jahren gestiegen, und das Land hat sich als wichtiger Investor etabliert. Dabei ist Deutschland das einzige G7-Land, das eine Topbewertung von Ratingagenturen hat.

Allerdings sind die Sicherheitsbedenken nicht ganz unbegründet. Ein Arbeitspapier des National Bureau of Economic Research hat gezeigt, dass die Profitabilität deutscher Tochterfirmen nach Übernahmen durch chinesische Unternehmen tendenziell sinkt. Und das geht ja schließlich nicht nur um Zahlen, sondern auch um die Sicherheit der gesamten Wertschöpfungskette. Die Bundesregierung hat mittlerweile eine neue Chinastrategie verabschiedet, die sicherheitspolitische Bedenken berücksichtigt. Ein Beispiel dafür ist die Untersagung des Verkaufs der Gasturbinensparte von MAN Energy an ein chinesisches Unternehmen aus genau diesen Gründen.

Die Diskussion um die Übernahme von Zippel durch Cosco ist also nicht nur eine Frage des Geschäfts. Sie wirft grundlegende Fragen über die Souveränität und Sicherheit der deutschen Logistik auf. Man kann nur abwarten, wie sich die Dinge entwickeln und ob Cosco eventuell einen Rückzieher macht. Die Bedenken sind laut, und die Zeit wird zeigen, wie die Bundesregierung mit diesem heiklen Thema umgeht.