Die Weltwirtschaft, die uns seit Jahren umtreibt, wird momentan durch den Konflikt im Jemen und die Aggression der Huthi-Rebellen stark beeinträchtigt. Es ist schon fast ein bizarres Schauspiel, wenn man bedenkt, dass trotz aller Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump die globalen Lieferketten weiterhin ins Stocken geraten. Schiffsstaus vor dem Panamakanal sind an der Tagesordnung, und die Gebühren für die Passage? Die sind astronomisch – mehrere zehntausend US-Dollar pro Durchfahrt. Wer hätte gedacht, dass so etwas in unserer modernen Welt noch möglich ist? Die Kosten, die auf die Unternehmen zukommen, sind schlichtweg erschreckend.

Ein regelmäßiger Blick in den Logistik-Report von Kunststoff Information (KI) offenbart, dass die Frachtraten für die acht wichtigsten globalen Wasserstraßen in die Höhe geschossen sind. In der Tat, die Lage hat sich zugespitzt, und die Schiffe, die den Suezkanal zwischen Asien und Europa befahren, sind seit Mitte Januar um 40 Prozent weniger geworden. Die Huthi-Rebellen scheinen mit ihrem Vorgehen den Welthandel geradezu in einen Würgegriff zu nehmen.

Die Auswirkungen auf die Lieferketten

Die Konsequenzen sind nicht zu übersehen. Eine Vervierfachung der Frachtraten und eine Verzehnfachung der Transportversicherungen sind alarmierende Signale für die Branche. Unternehmen wie die italienische Grimaldi versuchen, durch riskante Routen ihre Kosten zu minimieren. Doch das hat seinen Preis: Die Reisezeit verlängert sich um bis zu zwei Wochen, und das kostet nicht nur Nerven, sondern auch Geld. Einzelne Unternehmen, darunter Tesla und Volvo, haben bereits erste Störungen in ihren Lieferketten festgestellt. Die Bekleidungsindustrie, die stark auf Lieferungen aus Fernost angewiesen ist, bleibt ebenfalls nicht verschont.

Moderater Druck auf die globale Inflation ist spürbar, und die Zentralbanken sind alarmiert. Sie denken ernsthaft darüber nach, Leitzinssenkungen zu verschieben. JP Morgan & Chase haben bereits einen Anstieg der globalen Inflation um 0,7 Prozentpunkte prognostiziert, falls sich die Situation nicht verbessert. Dies ist nicht nur eine Zahl – es sind Auswirkungen, die spürbar in unserem täglichen Leben ankommen.

Die geopolitischen Spannungen

Einen weiteren Schock gab es im Februar 2024, als Huthi-Rebellen einen Öltanker angriffen. Der globale Ölpreis stieg unmittelbar um 2 US-Dollar. In der Folge meiden die meisten Öl- und Gastanker mittlerweile das Rote Meer, was die Situation nur weiter verschärft. Experten warnen, dass weitere Störungen im Schiffsverkehr die Lieferketten ernsthaft gefährden könnten. Wer hätte gedacht, dass eine solche Eskalation aus einer Region kommen könnte, die vielen von uns so fern erscheint?

Im Kontext des globalen Warentransports muss man auch die physische Geografie ins Spiel bringen. Rund 90 Prozent des globalen Handelsvolumens werden per Schiff transportiert. Der Suezkanal ist für Europa und den Nahen Osten unverzichtbar – eine Schließung würde den Handel der Türkei um 10 Prozent und Saudi-Arabiens um 15 Prozent reduzieren. Ägypten verzeichnete im Januar 2024 bereits einen Rückgang der Einnahmen aus dem Suezkanal um 50 Prozent auf 428 Millionen US-Dollar. Die Blockade des Suezkanals durch das Schiff „Ever Given“ im März 2021 hat gezeigt, wie verletzlich wir sind. Ein Handelsverlust von 6 bis 10 Milliarden Dollar in nur sechs Tagen lässt erahnen, wie hart es uns treffen kann.

Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass Diskussionen über alternative Seewege wie die Nordwestpassage oder den Kra-Kanal in Thailand zunehmen. Doch die geografische Asymmetrie bleibt bestehen: Die bestehenden Routen sind nach wie vor entscheidend für den Welthandel. Die physische Geografie zeigt sich als zentraler Faktor, trotz aller Fortschritte in der Globalisierung. Und während wir uns über die neuesten Entwicklungen informieren, bleibt die Frage, wie lange wir noch so weitermachen können, ohne dass uns diese geopolitischen Spannungen um die Ohren fliegen.