Investieren im Wandel: Die neuen Anforderungen an industrielle Standorte in Deutschland und Vietnam
Die Welt der industriellen Investitionen ist im Wandel – und das nicht nur in Deutschland. Ein Blick nach Vietnam zeigt, dass die Auswahl von Industriestandorten längst nicht mehr nur auf Grundstückspreisen und der Lage basiert. Unternehmen setzen ihre Prioritäten zunehmend anders. Die Anforderungen an Stromversorgung, Fabrikstandards und nachhaltige Praktiken nehmen zu, während die Komplexität der globalen Lieferketten eine Neubewertung der langfristigen Wirtschaftlichkeit von Standorten erfordert.
John Campbell, der Leiter des Bereichs Industrieimmobilien bei Savills Vietnam, hebt hervor, wie wichtig eine gute Infrastruktur und die Erfüllung betrieblicher Anforderungen geworden sind. In Branchen wie Elektronik, Medizintechnik und Präzisionsfertigung sind diese Faktoren besonders entscheidend. Es genügt nicht mehr, einfach nur einen Standort zu wählen. Unternehmen suchen nach Orten, die nicht nur den aktuellen Bedürfnissen entsprechen, sondern auch Raum für zukünftige Erweiterungen bieten.
Die Rolle von Long An
Long An hat sich als ein solcher Standort etabliert. Mit rund 4.000 Hektar Industriefläche, von denen etwa 3.000 Hektar bereits verpachtet sind, und einer Auslastung von etwa 82%, wird die Region für viele Unternehmen attraktiv. Zudem stehen dort ca. 3,2 Millionen Quadratmeter bezugsfertige Fabrik- und Lagerflächen zur Verfügung. Ein weiterer Pluspunkt: Unternehmen können flexible Bereitstellungsmodelle wählen, die auf ihre spezifischen Projektanforderungen zugeschnitten sind. So wird die Markteinführungszeit entscheidend verkürzt!
Aktuell wird im Ben Luc der Prodezi Eco-Industrial Park auf 400 Hektar entwickelt. Mit einem klaren Fokus auf grüne Infrastruktur und Branchen wie Elektronik und Medizintechnik ist dieser Park ein Paradebeispiel für die Zukunft der industriellen Standorte. Hier wird nicht nur gebaut, sondern auch nachhaltig gedacht.
Investitionen und Trends in Deutschland
<pWährend in Vietnam die Standortwahl neu definiert wird, zeigen die Zahlen für Ausländische Direktinvestitionen (FDI) in Deutschland bis Ende 2024 ein interessantes Bild. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf 1.034 Milliarden Euro – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Besonders die westlichen Bundesländer, wie Hessen und Bayern, dominieren den FDI-Markt und machen über 85% des Gesamtvolumens aus. Aber auch hier gibt es Herausforderungen: In den meisten Bundesländern ist ein Rückgang der FDI um etwa 23% zu verzeichnen.
Die Herkunft der Investitionen ist ebenfalls spannend. Die Niederlande und Luxemburg, häufig als Holdingstandorte genutzt, sind die Hauptquellen für Investitionen in Deutschland. In den letzten Jahren haben die FDI aus diesen Ländern um 80% zugenommen. Besonders auffällig ist der Anstieg der Investitionen aus den USA, die sich mehr als verdoppelt haben und nun fast 25% der gesamten FDI ausmachen. Die chinesischen Investitionen hingegen haben sich seit 2018 verlangsamt, wenn auch die Bestände bis Ende 2023 auf rund 9 Milliarden Euro gestiegen sind – das macht jedoch nur 1% der gesamten FDI in Deutschland aus.
Ein globales Bild der Direktinvestitionen
Globale Ströme von Ausländischen Direktinvestitionen (ADI) sind ein weiteres spannendes Thema. Diese langfristigen Unternehmensinvestitionen nehmen rasant zu. Von Unternehmensfusionen über Beteiligungen bis hin zu reinvestierten Gewinnen – ADI sind komplex und vielschichtig. Seit 1990 haben sich die ADI-Bestände weltweit um den Faktor 18 erhöht. Es zeigt sich, dass die USA und Deutschland auch hier ganz vorne mitspielen. Aber die Welt ist im Wandel. Der Anteil der ökonomisch entwickelten Staaten an den ADI-Beständen sinkt kontinuierlich. Ein Trend, der uns alle betrifft und sicherlich auch in Zukunft spannend bleiben wird.
Die ständigen Veränderungen in der Wirtschaft, die wachsenden Anforderungen an die Standorte und die Verlagerung der Investitionen – all das zeigt, wie dynamisch die Welt der industriellen Investitionen geworden ist. Ob in Vietnam oder Deutschland, die Herausforderungen und Chancen sind vielfältig. Man fragt sich, was die Zukunft wohl noch bringen wird. Eins steht fest: Wer heute investiert, denkt an morgen.
