Logistik im Wandel: Wie Resilienz und Digitalisierung die Branche neu gestalten
Es ist schon eine Weile her, dass die deutsche Logistikwirtschaft auf einem wirklich hohen Ross saß. Die letzten zwei bis drei Jahre waren eher ein Ritt durch stürmische Gewässer. Geopolitische Krisen, ein schwacher Welthandel und exorbitante Kosten haben die Branche ziemlich mitgenommen. Doch die BVL Supply Chain CX 2026 in Berlin könnte vielleicht der Wendepunkt sein, auf den alle gewartet haben. Unter dem Motto „Deliver now!“ gab es einen klaren Aufruf an die Unternehmer, aktiver zu werden und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
Die Stimmung unter den deutschen Unternehmern ist erstaunlicherweise optimistisch. Ein internationaler Vergleich zeigt, dass viele mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Die Prognosen für das BIP-Wachstum 2026 lassen ebenfalls aufhorchen – 1,3 Prozent, stärker als befürchtet! Die Logistik bleibt nach wie vor der drittgrößte Wirtschaftsbereich unseres Landes, mit einer beeindruckenden Wirtschaftsleistung von über 330 Milliarden Euro und sage und schreibe 3,3 Millionen Beschäftigten.
Resilienz und Digitalisierung als Schlüssel
Ein zentraler Begriff, der bei der Veranstaltung immer wieder fiel, ist Resilienz. 61 Prozent der Unternehmen sehen diese als zunehmend wichtig an. Auch die Digitalisierung wird als entscheidender Hebel zur Steigerung der Resilienz betrachtet. Über 64 Prozent der Experten glauben fest an die positiven Auswirkungen digitaler Technologien. Künstliche Intelligenz war ein großes Thema des Kongresses – 93 Prozent der Unternehmen setzen bereits KI in konkreten Anwendungen ein. Es ist spannend zu sehen, wie KI nicht als autonome Instanz, sondern als Entscheidungsunterstützung in der Steuerung von Lieferketten fungiert. Aber auch die rechtlichen Fragen rund um die Haftung bei KI-Fehlern sind nicht zu vernachlässigen; Unternehmen müssen Verantwortung für ihre KI-Entscheidungen übernehmen.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Verteidigungslogistik, die sich als neuer Wachstumstreiber entpuppt. Rund 60 Prozent der befragten Logistiker sind bereits im Verteidigungssektor aktiv, und 70 Prozent planen in den nächsten drei bis fünf Jahren Investitionen in diesen Bereich. Das zeigt, dass die Branche bereit ist, neue Wege zu gehen, auch wenn der Laderaummangel trotz einer schwachen Wirtschaft als Engpassfaktor bleibt.
Digitale Lösungen für Krisenbewältigung
Die Covid-19-Pandemie hat uns unmissverständlich vor Augen geführt, wie anfällig unsere globalen und regionalen Versorgungssysteme sind. Das Projekt „ResKriVer“ des Fraunhofer IML ist ein Schritt in die richtige Richtung. Hier wird eine digital gestützte Plattform für Krisenvorsorge und -reaktion entwickelt. Zentrale Aspekte dieser Plattform sind die Echtzeit-Erfassung von Bedarfen und Beständen sowie die priorisierte Allokation knapper Güter mithilfe von KI. Und das Beste daran? Sie zeigt auch, welche Transportressourcen verfügbar sind und wo es Engpässe gibt!
Digitale Zwillinge logistischer Systeme sind ein weiterer Schlüssel zu resilienten Netzwerken. Diese ermöglichen Simulationen von Lieferkettenstörungen, analysieren Schwachstellen und testen alternative Transportwege. Wenn man die Kombination von digitalen Zwillingen mit KI betrachtet, wird klar, dass wir uns in Richtung prädiktiver, selbst anpassender Systeme bewegen. Die neue Forschungsstrategie im Supply Chain Engineering fordert ein Umdenken – weg von starren, hin zu dynamischen, rekonfigurierbaren Wertschöpfungsnetzwerken.
Technologien für die Zukunft
Die digitale Transformation im Supply Chain Management ist unumgänglich. Unternehmen können durch innovative Technologien ihre internen Prozesse und die Beziehungen zu Lieferanten und Kunden optimieren. Mit KI und Advanced Analytics können sie nicht nur Prozesse überwachen, sondern auch Trends erkennen und schnell auf Marktschwankungen reagieren. Die Cloud-Technologien spielen hierbei eine zentrale Rolle – für die Speicherung und Analyse globaler Daten ist sie ein unverzichtbares Werkzeug.
Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Die Datenintegration ist ein kritischer Punkt, besonders wenn es um die Kompatibilität und Konsistenz verschiedener Datenquellen geht. Hier sind unternehmensübergreifende Datenräume und die Standardisierung von Datenformaten gefragt, um Transparenz und Interoperabilität zu gewährleisten. Und nicht zu vergessen: das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, das die Unternehmensverantwortung in globalen Lieferketten stärkt.
Es gibt also viel zu tun, um die Digitalisierung der Lieferkette voranzutreiben. Eine klare Strategie, abgestimmt mit Kunden und Zulieferern, sowie die Auswahl der richtigen Technologien sind dabei entscheidend. Die Kultur der datengestützten Entscheidungsfindung muss gefördert werden – nur so kann die Branche die Herausforderungen von heute und morgen meistern. Und wir dürfen gespannt sein, wie sich all diese Entwicklungen in den kommenden Jahren entfalten werden.
