Linz im Fokus: Kontroversen um Lebendtiertransporte nach Zentralasien
Der Flughafen Linz in Oberösterreich steht momentan im Mittelpunkt einer kontroversen Diskussion. Es geht um die geplanten Lebendtiertransporte nach Zentralasien – ein Thema, das die Gemüter erhitzt. Rund 800 Fleckvieh-Bullen aus Ungarn sollen in dieser Woche nach Turkmenistan geflogen werden. Die Unklarheit über den Verwendungszweck dieser Tiere wirft Fragen auf. Steht die Schlachtung an oder handelt es sich um einen Export zu Zuchtzwecken? Offiziell ist der Export von Tieren zur Schlachtung nicht erlaubt, was die Sache noch komplizierter macht. Interessanterweise hat Turkmenistan bis jetzt hauptsächlich weibliche Zuchtrinder aus Drittstaaten importiert.
Die Logistik hinter diesen Transporten ist keineswegs trivial. Zuerst werden die Stiere per Lastwagen zum Flughafen gebracht, bevor sie dann in zwölf Frachtflügen einer mexikanischen Fluggesellschaft nach Turkmenistan geflogen werden. Pro Flug sind durchschnittlich etwa 80 Tiere vorgesehen. Sechs Flüge sind bereits durchgeführt worden, der letzte ist für Sonntag geplant. Mit all den langen Reiserouten und Umwegen, die durch den Ukrainekrieg entstanden sind, wird dieser Export jedoch wirtschaftlich interessant. Das wirft die Frage auf, ob die Transportbedingungen wirklich den Vorgaben entsprechen. Umwelt- und Klimaschutzlandesrat Stefan Kaineder sieht das anders und fordert ein sofortiges Ende der Transporte, die er als Tierquälerei bezeichnet.
Kritik und Kontroversen
Kaineder hat nicht nur einen Stopp der Transporte gefordert, sondern auch ein generelles Verbot von Lebendtier-Langstreckentransporten auf EU-Ebene. Er kritisiert die langen Transportwege und betont, dass Rinder fühlende Lebewesen sind, die unter solchen Bedingungen leiden können. Der Flughafen Linz hingegen weist alle Vorwürfe zurück und betont die strikte Einhaltung aller geltenden Richtlinien. Bei den Kontrollen am 6. Oktober wurden keine Beanstandungen festgestellt. Die Tiere waren mit ungarischen Ohrmarken versehen und hatten die notwendigen Gesundheitsbescheinigungen dabei.
Vor jedem Abflug werden die Rinder von einem lokalen Veterinär auf ihre Reisetauglichkeit überprüft, und die Transporte erfolgen nach den „Live Animals Regulations“ des internationalen Luftfahrtverbandes IATA. Der Flughafen hat sich um diesen Auftrag beworben, und es ist nicht nur die Rinderzucht, die hier eine Rolle spielt – auch andere Tiere wie Pferde werden transportiert. Ein Flughafensprecher betont, dass der Transport lebender Tiere im internationalen Frachtgeschäft ganz normal sei.
Die Realität der Tiertransporte
Tiertransporte sind in der Landwirtschaft gängig, da Zucht, Aufzucht, Mast und Schlachtung oft in spezialisierten Betrieben stattfinden. Viele Tiere werden mehrfach transportiert, und das nicht nur innerhalb der EU. Der wirtschaftliche Druck und auch religiöse Schlachtvorgaben führen dazu, dass lebende Tiere über weite Strecken bewegt werden. Tatsächlich hat die EU strenge Regeln erlassen, die Transportdauer, Ruhezeiten und Versorgung betreffen. Aber trotz dieser Vorgaben dokumentieren Tierschutzverbände immer wieder Missstände, insbesondere bei langen und grenzüberschreitenden Transporten. Politisch gibt es zwar Bestrebungen zur Reform, doch die Umsetzung kommt nur schleppend voran.
In Deutschland wurden 2023 etwa 742 Millionen Tiere zu Schlachthöfen transportiert. Die Schlachtindustrie hat sich stark konzentriert, und viele Nutztiere, wie Mastschweine, erleben mehrere Transportetappen: von der Ferkelaufzucht über den Mastbetrieb bis hin zum Schlachthof. Oft sind die Transportkosten für lebende Tiere niedriger als für Fleisch, was die langen Transporte begünstigt. Religiöse Vorschriften, wie das Schächten im Islam, führen ebenfalls zu lebenden Tierimporten in Länder, wo solche Praktiken erlaubt sind.
Die EU-Verordnung (EG Nr. 1/2005) regelt den Schutz von Tieren beim Transport, doch die Realität sieht oft anders aus. So dürfen Tiere in der Regel maximal acht Stunden transportiert werden, aber unter strengen Vorschriften kann diese Zeit auch verlängert werden. Langstreckentransporte erfordern spezielle Fahrzeuge, und die Genehmigungen werden von Veterinärämtern erteilt. Der Druck auf die Politiker wächst, und das EU-Parlament hat bereits einen Untersuchungsausschuss eingerichtet, der Missstände bei Lebendtiertransporten dokumentiert hat.
So bleibt die Frage, wie lange der Flughafen Linz weiterhin in dieser heiklen Angelegenheit operieren kann. Der Transport lebender Tiere wirft nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ethische Fragen auf. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird und ob die politischen Bemühungen um eine Reform der Transporte tatsächlich Früchte tragen werden.
