Rheinland im Wandel: Auf dem Weg zu einer krisenfesten Infrastruktur
Am 13. Oktober 2026 fand der 9. Mobilitätskongress Rheinland im eleganten Savoy Theater in Düsseldorf statt. Rund 250 Gäste, darunter Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, kamen zusammen, um über ein drängendes Thema zu diskutieren: „Kritische Infrastruktur – wie abwehrbereit ist das Rheinland?“ Die Veranstaltung war ein Schmelztiegel von Ideen und Lösungsansätzen zur Stärkung der Infrastruktur und zur Krisenvorbereitung. Ocke Hamann, der Geschäftsführer für Verkehr und Logistik der Niederrheinischen IHK, war einer der ersten, der auf die Notwendigkeit von Reformen und verlässlichen Verkehrswegen hinwies. Er brachte die Besorgnis vieler Teilnehmer auf den Punkt: Ohne eine robuste Infrastruktur sind wir verwundbar, und das gilt nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Sicherheit.
Andreas Schmitz, Präsident der IHK Düsseldorf, schloss sich dem an und forderte eine leistungsfähige Infrastruktur, die auch Krisen standhalten kann. In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten – man denke nur an die Konflikte in der Ukraine oder die blockierten Handelsrouten – wird die Bedeutung stabiler und belastbarer Lieferketten immer deutlicher. Das Thema kam nicht von ungefähr. Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Mitglied des Europäischen Parlaments, hob die Relevanz grenzüberschreitender Verkehrsverbindungen für die europäische Verteidigungsfähigkeit hervor. Ein Punkt, der in der heutigen Zeit kaum überbewertet werden kann.
Diskussion über resilientere Lieferketten
Die Gespräche drehten sich nicht nur um die bestehenden Herausforderungen, sondern auch um die Möglichkeiten, die sich aus der Situation ergeben. Dr. Claudia Elif Stutz, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr, sprach über das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK), ein Ansatz, der schnelle und nachhaltige Verbesserungen in der Verkehrs-, Logistik- und Versorgungsinfrastruktur verspricht. Die Anfälligkeit internationaler Lieferketten, insbesondere aufgrund geopolitischer Konflikte, war ein zentrales Thema. Es wurde klar, dass Handlungsbedarf besteht, insbesondere bei Brücken, Schienenstrecken und Häfen. Vertreter von Deutscher Bahn, Bundeswehr und Hafen Antwerpen-Brügge diskutierten die Engpässe der Militärlogistik und die Anforderungen, die sich daraus ergeben.
Ein weiteres wichtiges Thema war die Gewährleistung von Mobilität als sicherheitspolitische Kernfrage. Die Teilnehmer waren sich einig, dass resiliente Lieferketten nicht nur ein Vorteil für die Wirtschaft, sondern auch für die Bevölkerung und die Streitkräfte sind. Strategien wie Nearshoring und Dual Sourcing, die den Fokus auf redundante Logistikstrukturen legen, wurden als essenziell erachtet. Die Diskussion über die Ertüchtigung der Infrastruktur aller Verkehrsträger war nicht nur theoretisch, sondern realistisch und handlungsorientiert.
Ein Ausblick auf die Zukunft
Die zentrale Botschaft, die aus den Diskussionen hervorging, war, dass die Widerstandsfähigkeit des Rheinlands gezielte Investitionen, schnellere Genehmigungsverfahren und verbindliche Zusammenarbeit über Grenzen hinweg erfordert. Das IHK-Initiative Rheinland zielt darauf ab, das Rheinland als attraktiven Standort in Europa weiterzuentwickeln. In Zeiten, in denen kritische Infrastruktur – sei es in der Energieversorgung, Kommunikation oder im Transport – zunehmend ins Visier geopolitischer Auseinandersetzungen gerät, ist die Notwendigkeit für eine enge Kooperation aller relevanten Akteure unbestritten.
Die Ergebnisse der Veranstaltung sind also nicht nur für die Region Rheinland von Bedeutung, sondern haben auch weitreichende Implikationen für die gesamte europäische Sicherheitsarchitektur. Die Studie des Projekts „InvigoratEU“ zeigt, dass autoritäre Staaten, insbesondere Russland, die Verwundbarkeit Europas seit dem Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022 ausnutzen. Ein Umstand, der die Teilnehmer des Kongresses sicherlich zum Nachdenken anregte.
Die Zukunft der Logistik und Mobilität im Rheinland ist also voller Herausforderungen, aber auch Chancen. Die Bereitschaft, sich diesen Herausforderungen zu stellen, war an diesem Tag deutlich spürbar. Ein Zeichen, dass das Rheinland bereit ist, an einer resilienten und krisenfesten Infrastruktur zu arbeiten – für heute und für die kommenden Generationen.
