Heute ist der 5.11.2026 und es gibt Neuigkeiten aus der Welt des Kombinierten Verkehrs, die uns alle betreffen könnten. Die Entwicklungen im Schienengüterverkehr sind alles andere als rosig. Laut der Internationalen Vereinigung für den Kombinierten Verkehr Schiene-Straße (UIRR) haben wir im dritten Quartal 2026 einen Rückgang des Transportaufkommens um 1,23 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal verzeichnet. Das ist ein Zeichen, das man ernst nehmen sollte. Aber was steckt dahinter?

Die Belastungsfaktoren sind zahlreich: Infrastrukturprobleme, steigende Trassenpreise und eine schwache wirtschaftliche Entwicklung setzen der Branche zu. Besonders kritisch ist die Situation in Deutschland, wo Bauarbeiten und eingeschränkte Kapazitäten die Zuverlässigkeit des Schienengüterverkehrs erheblich beeinträchtigen. Ein Beispiel, das man nicht ignorieren kann, ist die Generalsanierung der Strecke Hannover-Berlin. Hier mussten Umleitungspläne auf die Schnelle angepasst werden – und das hat seine Folgen. Noch dazu wird prognostiziert, dass die Trassenpreise in Deutschland bis 2027 um rund zwölf Prozent steigen werden, mit noch heftigerem Anstieg für schwere Züge im Jahr 2028. So könnte man fast meinen, die Schiene wird zur teuren Angelegenheit.

Warnungen aus der Branche

Die Sorgen der Akteure im Kombinierten Verkehr sind nicht unbegründet. In einem offenen Brief an Verkehrsminister Schnieder und DB-Chefin Palla warnen europäische und deutsche Unternehmen vor den Konsequenzen der steigenden Trassenpreise und der maroden Infrastruktur. Die Branche fürchtet, dass Hunderttausende zusätzliche Lkw auf unseren Straßen unterwegs sein werden. Der Trend ist alarmierend: Auf der Rheintalachse sank der Kombinierte Verkehr um 7,6 Prozent, während der Straßengüterverkehr um 7,2 Prozent zulegte. Das heißt, etwa 86.000 zusätzliche Lkw werden durch die Lande fahren. Das kann man sich nicht schönreden.

Die Ursachen für diese Krise sind vielschichtig. Das deutsche Finanzierungssystem und die Anwendung des „Vollkostenprinzips“ bei Trassenpreisen führen dazu, dass die Branche immer mehr unter Druck gerät. Zudem wird die Trassenpreisförderung für den Güterverkehr 2024 drastisch reduziert. Wenn wir jetzt nicht handeln, könnte es zu einem Kapazitätsrückgang von 20 bis 30 Prozent bei geplanten Korridorsanierungen kommen. Und das, ehrlich gesagt, wäre eine Katastrophe für alle Beteiligten.

Die Bedeutung der Schiene

Obwohl die Situation angespannt ist, sollte man nicht vergessen, dass der Schienentransport eine umweltfreundliche und sichere Variante des Güterverkehrs in Deutschland und Europa darstellt. Er entlastet die Straßen und hilft, CO2-Emissionen zu vermeiden. Besonders effektiv ist die Schiene beim Transport großer Gütermengen über lange Strecken. Das zeigt sich besonders im Kombinierten Verkehr, wo Container, Wechselbehälter und Lkw-Auflieger an Kombi-Terminals von der Straße auf die Schiene wechseln.

Der DSLV, der Verband der Speditionen, hat sich das Ziel gesetzt, den Anteil der Schiene am Modal Split von aktuell 18 Prozent bis 2030 auf 25 Prozent zu erhöhen. Das klingt ambitioniert, und es gibt auch Unterstützung durch einen breiten Pakt aus Wirtschaft und Politik. Der Masterplan Schienenverkehr, der am 30. Juni 2020 vorgestellt wurde, umfasst sieben Handlungsfelder, die zur Erreichung dieses Ziels beitragen sollen. Allerdings bleibt zu hoffen, dass die nötigen Maßnahmen rechtzeitig umgesetzt werden, denn die Zeit drängt.

Ein Blick in die Zukunft

Die Skepsis, die aktuell in der Branche herrscht, ist nicht unbegründet. Höhere Kosten, eingeschränkte Schienenkapazitäten und eine schwache wirtschaftliche Entwicklung lassen viele an der Wettbewerbsfähigkeit der Schiene zweifeln. Dennoch gibt es positive Entwicklungen, insbesondere in Ländern wie Spanien und Frankreich, wo Investitionen und neue Betriebskonzepte die Lage etwas aufhellen könnten. Aber bis die Schiene wieder richtig ins Rollen kommt, muss noch viel passieren.

Die UIRR plant, die Auswirkungen der aktuellen Lage auf die Mitgliedsunternehmen zu untersuchen und fordert einen finanziellen Ausgleich bei eingeschränkten Umleitungsstrecken. Die uneinheitliche Einführung des europäischen Zugbeeinflussungssystems ERTMS erschwert zudem die grenzüberschreitenden Bahnverkehre. Es bleibt also spannend, wie sich die Situation weiterentwickeln wird – und ob die Schiene ihren Platz in der Logistik der Zukunft behaupten kann.