Heute ist der 8.10.2026, und es gibt Neuigkeiten aus der Zementbranche, die wie ein frischer Wind durch die Baustellen wehen. Laut dem Branchenverband Cemsuisse sind die Schweizer Zementlieferungen im dritten Quartal dieses Jahres leicht gestiegen. Auch wenn es nur ein Zuwachs von 1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal ist, sind die Zahlen ein Zeichen für eine solide Nachfrage, die sich über die Sommermonate stabil gehalten hat. Rund 989 Millionen Tonnen Zement wurden im Heimmarkt, inklusive Liechtenstein, geliefert – das klingt nach einer ordentlichen Menge Zement, oder?

Besonders interessant ist, dass in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 die Zementlieferungen insgesamt um 0,8 Prozent auf 2,764 Millionen Tonnen gestiegen sind. Diese Zahlen bestätigen die Stabilität der Bautätigkeit in der Schweiz. Fast 73 Prozent dieser Lieferungen gingen an Transportbetonwerke, während etwa 20 Prozent in die Ortsbetonanlagen von Großbaustellen geflossen sind. Doch die Branche steht auch vor Herausforderungen, vor allem in Bezug auf den Transport. Der Anteil der Bahn an Zementlieferungen ist um 2,5 Prozentpunkte auf 31,5 Prozent gesunken. Cemsuisse macht die schwierigen Rahmenbedingungen im Schienengüterverkehr dafür verantwortlich, und viele Zementhersteller verlagern ihre Transporte zunehmend auf die Straße – was ein bisschen gegen ihre eigenen Klimaziele läuft.

Der schleichende Wandel in der Zementproduktion

Ein weiterer spannender Aspekt ist die Umstellung auf CO2-ärmere Zementsorten. Der Anteil klinkerreduzierter Zemente (CEM II und III) liegt jetzt bei etwa 98,7 Prozent. Nur noch 1,3 Prozent der Lieferungen entfallen auf klassischen Portlandzement. Die Betonherstellung, die Zement als Hauptbestandteil benötigt, ist bekanntlich energieintensiv und trägt zur CO2-Belastung bei. Bei der Produktion entstehen Emissionen durch den Einsatz von Brennstoffen und den Kalzinierungsprozess – das ist die Umwandlung von Kalkstein zu gebranntem Kalk. Pro Tonne Zement machen die Prozessemissionen etwa zwei Drittel der CO2-Emissionen aus. Hier ist noch viel Luft nach oben, um die Klimaziele zu erreichen!

Für das angestrebte Klimaziel von Netto Null sind Negativemissionen, wie sie durch Technologien zur CO2-Abscheidung (CCUS) entstehen, unerlässlich. Doch die Umsetzung dieser Technologien ist eine Herausforderung, und die politischen sowie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spielen eine entscheidende Rolle. Aktuell wird an Projekten wie NORCEM gearbeitet, die CO2-Abscheidung bereits erfolgreich praktizieren. In der Forschung zeigt sich, dass das Abscheidungspotential aus Punktquellen bis zu 25 Prozent des gesamten Schweizer CO2-Ausstosses ausmachen könnte.

Neue Ansätze und Produkte

Die Schweizer Zementindustrie bekennt sich klar zu den Netto Null Zielen und ist bereit, in CCUS-Technologien zu investieren. Doch dafür sind auch notwendige Rahmenbedingungen gefragt: Die Nutzung oder Speicherung des abgeschiedenen CO2 sowie die Anrechenbarkeit der Emissionseinsparungen müssen geklärt werden. Und auch die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien ist von zentraler Bedeutung. Da kommt die Nachfrage nach CO2-reduzierten Zementen und Bindemitteln ins Spiel, die beispielsweise von Herstellern wie Heidelberg Materials angeboten werden. Produkte wie evoBuild – nachhaltigere Zemente, evoZero – Carbon Captured und Near-Zero Zement zeigen, dass es auch in der Branche einen Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit gibt.

Die Reise zur Dekarbonisierung der Zementproduktion ist also in vollem Gange. Mit einer effizienten Transportinfrastruktur und einer engeren Zusammenarbeit mit den Nachbarländern könnte dieser Weg vielleicht noch beschleunigt werden. Aber wie das so ist – die Dinge ändern sich nicht über Nacht, und jeder Schritt, den die Branche macht, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ein bisschen Geduld braucht’s schon, um die großen Veränderungen zu sehen.